Achim Bertenburg / Christian Haake / Hannah Regenberg

Blanks

05. April 2014 - 04. Mai 2014

Der Titel "Blanks" vereint unterschiedliche Bedeutungen von "Leere": Rohling, Patronenhülse, leere Hülle, blanke Oberfläche. Auch diese Gruppenausstellung kommt einer Deklination von Leere gleich, die ein gemeinsames Motiv der in Form und Material sehr unterschiedlich arbeitenden Künstler ist.

Achim Bertenburg ist Maler. Seine Bilder sind Ergebnisse oft langwieriger Prozesse, bei denen immer wieder Farbe auf- und abgetragen wird. Bertenburg nähert sich in diesem Prozess einer gegenständlichen Welt an und entfernt sich dann wieder von ihr. Auch das Betrachten dieser Bilder entspricht diesem Prozess - sie wirken zunächst abstrakt, dann meint man etwas zu erkennen. Aber je länger man hinschaut, desto weniger bleibt davon übrig.

Christian Haake hat in der Vergangenheit Vitrinen und Schaufenster gebaut, aus Zeitungen neues Papier geschöpft und Schriftzüge auf ihre Konturen reduziert. Auf diese Weise schafft er leere Formen. Seine Objekte sind jedoch nie wirklich leer. Sie nehmen Bezug zu den Ausstellungsräumen, auf Momente des Alltags und Geschichte. Auf diese Weise leiten sie den Betrachter zum Assoziieren an. Es gibt Andeutungen zur realen Welt. Man versucht sie zu fixieren - doch das scheint vergeblich.

Hannah Regenberg beschäftigt sich mit Schrift als Erscheinungsform von Sprache. Auf Reklameschildern, in Werbeanzeigen und Schlagzeilen bekommt Schrift einen bildhaften Charakter. Regenberg treibt dies weiter: In Siebdrucken setzt sie Buchstaben zu redundanten, schwarzen Blöcken zusammen. Anstelle von Wörtern und Sätzen entstehen konstruktive Gefüge. Dem gegenüber stehen aus Holz und Bandstahl gefertigte Objekte - sie basieren auf Werbeschriftzügen, aus denen die Schrift entfernt wurde.

Zur Ausstellung erscheint in kleiner Auflage eine Edition. Sie umfasst drei hochwertige Drucke der KünstlerInnen sowie ein Heft mit einem Text von Magnus Klaue. Vorbestellungen sind möglich unter versand@k-strich.de

Eröffnung   Freitag, 04. April, 20 Uhr
Finissage   Sonntag, 04. Mai, 16 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung der Waldemar Koch Stiftung

Info

Achim Bertenburg
Brand  |  2014
Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm
Foto: ©2014 Lukas Klose

Galerie

Christian Haake
ARCH.  |  2014
Sperrholz, Binder, Papier
Foto: ©2014 Lukas Klose

Hannah Regenberg
Modell  |  2013
55 x 40 x 18 cm
Foto: ©2014 Lukas Klose

Schönheit des Nichts
Tim Schomacker  |  Kreiszeitung, 17. April 2014

Die englische Sprache hält für das Wort "Blanks" ein ganzes Fuder von Bedeutungen bereit. Nahezu alle dieser Bedeutungen umschreiben eine leere (noch oder anders auszufüllende) Planstelle: Die Schreckschusspatrone ersetzt den Schuss, das Leerzeichen ist das Gegenteil des Buchstabens, der Rohling harrt der Formung – oder der Daten, die auf ihm gespeichert werden. Oder werden könnten.

Auf diesem etymologischen kleinsten gemeinsamen Nenner – "Blanks" – bringt die Galerie K' die Arbeiten dreier Künstler aus Bremen. Ein halbes Dutzend nur ist in dem kargen doch charaktervollen Galerieraum zu sehen. An der Wand oder auf einem Tisch.

Der Rundgang (besser, weil der Raum klein ist: der Rundblick) überrascht dabei gleich doppelt. Denn auch wenn eine geschweißte und polierte, ein Stück Wandfläche umschließendes Konturdings einerseits, ein großformatig Grautöne sich gegenseitig verschattendes Gemälde andererseits und zum dritten ein überkopfhoch an der Wand aufgehängtes kleines Objekt voller Leerräume und eigenwilliger Auswüchse weder stilistisch noch produktionsästhetisch wirklich zusammenpassen, könnten die Arbeiten doch von nur einem Künstler stammen. Oder einer Künstlerin.

Nicht minder überraschend ebnen die klar abgegrenzten und wundersam zugleich irgendwie in einander fließenden künstlerischen Positionen zum, nun ja: Thema "Leere", dass die Künstler mit knapp dreißig, circa Mitte vierzig und ungefähr sechzig doch sehr unterschiedlich alt (und entsprechend verschieden ästhetisch sozialisiert worden) sind.

Es geht also, auch, um Korrespondenzen. Und zwar solche, die – es handelt sich ja um verschiedene Künstler und Arbeitsweisen – die bei der Herstellung kaum intendiert sein konnten. So liefert "Blanks" ein schönes Beispiel dafür, wie Korrespondenzen kuratorisch hergestellt (oder doch zumindest ausgestellt) werden können. In diesem Fall eben mal nicht, wie sonst häufig bei Gruppenausstellungen, durch den knalligen Kontrast. Tatsächlich erinnern die Schlieren im Graugemisch von Achim Bertenburgs neuem großformatigen Ölbild "Brand" an jene, die Christian Haake seinerzeit in seiner Wandarbeit "Zeitung / Die Zeit" (Kunstverein Ruhr, 2012) aus einer vermanschten und flächig neu ausgestrichenen Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung baute. Zwei ähnlich-verschiedene Echos auf sowohl das "Schwarze Quadrat" von Malewitsch als auch psychoanalytische Konstellationen. Oder die korrespondierenden Hohlräume in Haakes sehr entfernt an ein Ingenieursmodell von, nun: etwas erinnerndem Wandobjekt "Arch" sowie in Hannah Regenbergs "Modell", einem spitz zulaufenden hölzernen Hohlkörper, der von einer Seite betrachtet die Silhouette einer Zeitungsüberschrift zeigt.

Auch wenn fast alle in "Blanks" gezeigten Arbeiten (Bertenburgs Gemälde vielleicht ausgenommen) durch Leimungen, Klebungen, Prägungen oder – wie in Regenbergs schwarz-kalkulierter Siebdruck-Improvisation "32" – gezielt ausgestellte "Fehler" den Produktions-Prozess miterzählen, treten sie aus der Sphäre künstlerischer Material-Suche und -arbeit gewissermaßen gemeinsam heraus. Und präsentieren zusammen eine winzige Zusammenschau, die vor allem Menschen Vergnügen bereiten dürfte, die sich gerne mit wenigen Anhaltspunkten auf immer neue falsche Fährten locken lassen im Zusammenspiel von Erscheinung und Bedeutung.

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