Die Tödliche Doris

(1980 - 87) entstand gleichermaßen im Umfeld der Punkbewegung wie dem der Kunsthochschule in Westberlin. Als Künstlerkollektiv arbeitete die Gruppe konzeptionell und medienübergreifend in den Bereichen Musik, Performance, Video, Malerei, Objektkunst und Literatur. Insbesondere stellte sie immer wieder Seh- und Hörgewohnheiten in Frage. Gründungsmitglieder waren die Kunststudenten Wolfgang Müller, Nikolaus Utermöhlen und Chris Dreier. Spätere Mitglieder waren Käthe Kruse, Dagmar Dimitroff und Tabea Blumenschein.

Die Gruppe veröffentlichte zahlreiche Kassetten und LPs, darunter auch eine "unsichtbare" Platte. Diese wird realisiert, indem die LPs "sechs" und "Unser Debut" gleichzeitig abgespielt werden. Text und Musik sind genau aufeinander abgestimmt und fügen sich ineinander. Auch spielte Die Tödliche Doris mit Gehörlosen und engagierte Unterhaltungsmusiker von der Künstlervermittlung des Arbeitsamtes, die live zu Noise-Tapes spielten.

Eine der wichtigsten künstlerischen Arbeiten der Tödlichen Doris ist die seit 1979 entstandene Reihe "Material für die Nachkriegszeit". Das Werk besteht aus Hunderten von weggeworfenen und von den oftmals zerrissenen Automaten-Passbildern, die rekonstruiertund wie ein Puzzle zusammengefügt wurden. Begleitend entstand dazu der gleichnamige Super-8-Film, der erstmals 1981 auf der Pariser Biennale gezeigt wurde. Als Variation dieses Themas entstand 1983 der Film "Der Fotomatonreparateur", der weggeworfene, abgefilmte Testfotos des für die Reparatur der Passbildautomaten verantwortlichen Mechanikers zeigt. Er nimmt ein Motiv aus dem Film "Die fabelhafte Welt der Amélie" vorweg.

Mitte 1984 erschien unter dem Titel "Chöre und Soli" eine grüne Box, in der sich acht Miniphon-Schallplatten, ein batteriebetriebenes Abspielgerät und ein Begleitbuch befinden. Erschienen ist die Box als Edition bei Ursula Blocks "Gelbe Musik" und gilt als erstes musikalisch generiertes Multiple.

Bei ihrer Auflösung 1987 war die Tödliche Doris international bekannt. Ausstellungen, Filmvorführungen und Konzerte führten in zahlreiche Städte innerhalb Deutschlands und nach New York, Amsterdam, Brüssel, Basel, Helsinki, Budapest, Warschau, Wien, Paris, Bordeaux und Tokio. Die Tödliche Doris war Teilnehmerin der documenta 8 in Kassel. Das Museum of Modern Art in New York, das Musée d’Art Moderne Paris sowie zahlreiche weitere Museen weltweit luden die Gruppe zu Auftritten und Filmvorführungen ein.

Editionen
Losspielen
Okaeshi (Gegengeschenk)
Cadavre Exquis auf Messeflyer (Art Frankfurt)

Info

Das Leben des Sid Vicious  |  1981
Super 8  |  10:30 min

Galerie

Die Tödliche Doris auf dem Festival der Genialen Dilletanten, Berlin, 1981

Sesselgruppe Kleid  |  1991

Lampe Oberteil  |  1991

Größter  |  1985
Lackfarbe auf Leinwand  |  100 x 130 cm
Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende 05/44

Zuerst  |  1985
Lackfarbe auf Leinwand  |  100 x 130 cm
Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende 17/44

Da  |  1985
Lackfarbe auf Leinwand  |  100 x 130 cm
Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende 34/44

Der siebenköpfige Informator  |  1980