Finissage

Arne Schmitt
Die autogerechte Stadt. Ein Weg aus dem Begriffs-Chaos

Sonntag, 16. März 2014, 16.00 Uhr

Buchpräsentation
Geräusch einer fernen Brandung
Kathrin Peters im Gespräch mit Arne Schmitt

Arne Schmitts Buch "Geräusch einer fernen Brandung" besteht lediglich aus einem Titel, 63 Farbfotografien und einem historischen Zeitungsartikel. Alle drei Elemente beziehen sich auf einen emblematischen Ort deutscher Großstädte, der Nachkriegszeit und Gegenwart aufs Tiefste verbindet: jene breiten Hauptverkehrsstraßen, die allerorts Ringe um Kernstädte bilden und Schneisen durch Stadtflächen ziehen. Sie stehen für ein zentrales Moment urbanen Lebens: die Anwesenheit und gleichzeitige Beziehungslosigkeit von Bewohnern und Benutzern der Stadt – einen kleinteiligen Individualverkehr innerhalb einer umfassenden Straßenverkehrsordnung.

So allgegenwärtig und banal jene Straßen wirken, so spezifisch und historisch relevant ist ihre Geschichte. Durch sie wurde die strukturelle Grundlage für die wiederaufzubauenden Städte nach 1945 gelegt. Schmitt verhandelt somit das Allgemeine im Spezifischen: er fotografiert ausschließlich in Hannover, wo Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht von den späten 1940er Jahren an mit dem Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt betraut war und das Musterbeispiel eines Verkehrsnetzes entwarf, das Städteplaner über die Landesgrenzen hinaus begeisterte. Dazu verhalf ihm sein praxisorientiertes Organisationstalent, das er zur Zeit des Nationalsozialismus geschult hatte, genauso wie seine volksnahe Art - in unzähligen Bürgerversammlungen leistete er persönliche Überzeugungsarbeit für seine Pläne.

Hillebrecht ist eine exemplarische Figur der frühen Bundesrepublik. Noch bis zum Kriegsende war er unter der Leitung von Albert Speer an der Planung der städtebaulichen Form des Endsieges beteiligt. Nur wenige Jahre später war er wieder in Amt und Würden – und wirkte an der Gestalt der Stadt in der Bundesrepublik mit. So sagte er später über das geschwungene Straßennetz Hannovers: "Dieses Schwingen habe ich als Gefühl unserer Zeit empfunden, im Kontrast zum Gefühl des Marschierens oder des Geradeausgehens."

All das rauscht in Schmitts detailreichen Fotografien mit – in Straßennamen, Autos, Fassaden und Firmenemblemen, die Stücke eines Mosaiks der bundesrepublikanischen Gegenwart bilden.

Zur Ausstellung Die autogerechte Stadt. Ein Weg aus dem Begriffs-Chaos

© Arne Schmitt / VG Bild-Kunst, Bonn 2014