K' Opening

Ignatz  ~  1000SCHOEN  ~  Ansgar Wilken

Freitag, 16. November 2012, 18.00 Uhr
Info

IGNATZ 
1000SCHOEN 
ANSGAR WILKEN

Ab 24 Uhr
Aftershow Freakout
Ort wird noch bekanntgegeben

Ansgar Wilken @ K' Opening

Video

1000SCHOEN @ K' Opening

Ignatz @ K' Opening

Karl Marx im Sinn
Andreas Schnell  |  die tageszeitung, 22. November 2012

Eine Galerieeröffnung ohne Kunst? Schon ungewöhnlich. Aber so geschehen am vergangenen Freitag im K' - Zentrum Aktuelle Kunst, wie Bremens jüngste Galerie heißt. Wobei Kunst ja nicht nur Bilder sind, die an der Wand hängen oder Skulpturen, die im Raum stehen.

Am Freitag letzter Woche lud das K', gesprochen: "K Strich", zur Eröffnung ein, auf dem Programm dreimal Musik von minimalistischer Cello-Kunst über flächigen Ambient bis zu bluesinspirierten Gitarren-Drones. Musik kann ja auch Kunst sein. Und es ist auch kein Geheimnis, dass die beiden Welten sich mehr als nur an ein paar Stellen berühren.

So arbeiten Künstler wie Michaela Melián oder Wolfgang Müller, zu denen später mehr, an den Schnittstellen zwischen Pop im weiteren Sinne und Bildender Kunst - sowie weit darüber hinaus. Trotzdem: Eine Galerieeröffnung ohne Kunst gibt es zumindest in Bremen nicht alle Tage. Davon abgesehen, dass hier bekanntlich ohnehin selten genug neue Galerien eröffnet werden. Wir sind hier ja nicht in New York. Für das seltene Ereignis sorgten Radek Krolczyk und Eric Peters, seit dem Spätsommer frischgebackene Galeristen.

Dass sie mit ihrem Programm eine Lücke in der Bremer Galerienszene füllen, wäre etwas geprahlt - zugunsten der Szene. Denn in Bremen ist noch viel Platz für Kunst. Ist nur die Frage, ob es auch genug Markt dafür gibt. Und ohne Verkäufe sei es schwierig, eine Galerie wie K' zu betreiben.

Für die nächsten Monate haben sich die frischgebackenen Galeristen Radek Krolczyk und Eric Peters ein illustres Programm vorgenommen, das muss nun erst einmal gestemmt werden. Mit den bereits erwähnten Wolfgang Müller und Michaela Melián sowie Miron Zownir und dem Duo Alice Creischer / Andreas Siekmann stehen durchaus renommierte Künstler auf der Agenda, den Auftakt macht indes eine noch nicht ganz so bekannte Position: Lena Schmidt, in Hamburg lebende gebürtige Bremerin, zeigt in "Power Lines" Arbeiten, die düster zwischen Objekt und Malerei, zwischen strenger Form und diffusem Chaos schillern. "Mich reizen diese Kippmomente", erklärt Schmidt, die ihre Arbeiten bereits in Miami und Portland, Oregon gezeigt hat, wo sie per ein Aufenthaltsstipendium weilte.

Wie passt das zu einer "linken Galerie", als die das K' - mit neckischer Marx-Anspielung im Namen - unlängst noch annonciert wurde? Der Begriff erscheint Krolczyk und Peters unterdessen selbst ein wenig problematisch. Krolczyk erklärt: "Wir kommen aus linken Zusammenhängen, und es ist klar, dass wir ein linkes Programm haben, aber die Kunst, die wir zeigen, erschöpft sich nicht darin. Alice Creischer und Andreas Sieckmann arbeiten zum Beipsiel ganz offensiv zu Kolonialismus und Flüchtlingspolitik. Wolfgang Müller dokumentiert die Stimmen ausgestorbener Vogelarten, das ist auf seine Weise auch politisch. Es geht um das Anregen von Erkenntnisprozessen." Das muss bei der künstlerischen Arbeit gar nicht unbedingt eine Rolle spielen.

Lena Schmidts Arbeiten haben auch ohne einen expliziten politischen Bezug ihren gesellschaftlichen Hallraum. Es geht um verlorene Orte, verlassene Fabriken oder Gewerbeflächen wie die Brandstorhalle in Hamburg, die einem länglichen Objekt den Namen gab, auf dem nächtlich-neblig verrauschte Gebäude zu sehen sind, allerdings aus der Erinnerung montiert, mit schwarzem Edding auf, und wie alle Arbeiten in "Power Lines", auf Pressspanplatten und anderem ausgedientem Holz, das die Künstlerin an den Orten findet, von denen sie in ihren Bildern erzählt, die aus dem Hässlichen, Dysfunktionalen eine morbide Ästhetik ziehen. Was dann auch einen Bezug zu einer spezifischen Pop-Ästhetik ergibt: Die Verwendung von Industrieschrott ist schließlich eine Technik der Industrial-Musik. Anknüpfungen zur Popkultur sind dezidiert Teil der Programmatik der neuen Galerie.

Presse

Neue Galerie für Kunst und Politik im Viertel
Sara Sundermann  |  Weser-Kurier, 23. November 2012

Einen Raum für politische Gegenwartskunst bietet die neue Galerie „K’ – Zentrum Aktuelle Kunst“ im Ostertor. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Kunst, Gesellschaftskritik und Popkultur. Radek Krolczyk und Eric Peters leiten die Galerie und beziehen offen Position. „Wir sind Kommunisten“, sagt Radek Krolczyk, der als freier Journalist arbeitet und unter anderem Führungen im Gerhard-Marcks-Haus macht. Schon die Herkunft des Namens der Galerie soll eine politische Positionierung sein. Dieser Name bezieht sich auf die Theorien von Karl Marx. Kunst ist eine Ware, doch sie ist mehr als das – für diesen Überschuss, der sich der Verwertbarkeit entzieht, soll K’ stehen, so erklärt es Krolczyk.

Die politische Selbsteinordnung ist plakativ, im Umgang mit der Kunst ist der Galerist behutsamer. Er will komplexe, vielschichtige Arbeiten zeigen. Das Ausstellungsprogramm ist schon bis 2014 geplant: Die Galerie wird unter anderem Künstler ausstellen und vertreten, deren Arbeiten im New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) oder bei der Documenta zu sehen waren. Geplant sind Ausstellungen mit Miron Zownir, Wolfgang Müller, Alice Creischer und Andreas Siekmann.

Welche Art politischer Kunst die Galerie nicht im Sinn hat, verdeutlicht Radek Krolczyks Haltung zur jüngsten Documenta. Den Großteil der engagierten Kunst in Kassel lehnt Krolczyk als zu platt ab: „Da war soviel Kitsch, es war grauenhaft“, sagt er. Man könne nicht eindeutig gegen den Afghanistan-Krieg Position beziehen, so einfach sei die Lage nicht mehr, betont er.

Was ab heute bis zum 21. Dezember als Auftaktausstellung zu sehen ist, lässt sich nicht nur politisch interpretieren, sondern ist schlicht, sinnlich erfahrbar und ungemein ästhetisch: Die Künstlerin Lena Schmidt ist nachts durch die Brachen der Städte gestreift und hat Pressspanplatten als Fundstücke heimgetragen. Die Künstlerin, die früher in Bremen gelebt hat und heute in Hamburg wohnt, interessiert sich für Freiräume in der Stadt. „Ich wollte die Schönheit dieser Orte einfangen“, sagt die 31-Jährige. Ihr Fundholz hat sie mit Edding und Acrylfarbe bemalt und mit dem Holzschnittmesser bearbeitet. Festgehalten hat sie schemenhafte Erinnerungen an einsame Orte: Leere Lagerhallen, vorbeirauschende Autobahnbrücken und immer wieder Strommasten. „Power Lines“ heißt ihre Ausstellung – gemeint sind Überlandleitungen, die Lena Schmidt als zerbrechliche, weltenumspannende Netzwerke zeigt. Wie der Kontakt zur Galerie entstand? Mit einem der Galeristen hat Lena Schmidt als Bassistin in einer experimentellen Elektro-Band gespielt. Auch dies ist eine Besonderheit der Galerie: Die starke Verbindung zur Musik – Konzerte gehören zum Programm.