NOISEXISTANCE

Theorie und Praxis des Lärms

Samstag, 25. Juni 2016, 14.00 Uhr

Noise ist die Bezeichnung für ein musikalisches Genre, das in den 1980er Jahren in Japan entstand. Sämtliche traditionellen Parameter einer musikalischen Schallorganisation sind suspendiert: Metrum, Rhythmik, Harmonieführung und Melodie werden durch eine Arbeit mit Lärm, Rauschen, Verzerrungen und Störgeräuschen ersetzt. Aktuell lässt sich beobachten, wie Noise in eine unüberschaubare Menge musikalischer Genres integriert wird, als Bezugspunkt für Sound Art und Neue Musik dient und sich einen Weg in den akademischen Diskurs bahnt. NOISEXISTANCE bringt Positionen aus den Bereichen der Philosophie, Kultur- und Musikwissenschaft sowie künstlerischer und politischer Praxis zusammen, um zentralen Fragen aus dem Spannungsverhältnis von Noise, Aufruhr und Musik nachzugehen.

Freitag, 24.06.
Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112, 28201 Bremen

20.00 Uhr
- Helge Meyer / Live
- David Wallraf / Vortrag
- Decoder / Film
- Klaus Maeck / Talk

Samstag, 25.06.
Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112, 28201 Bremen

14.00 Uhr
- Paul Hegarty / Vortrag
-
Mattin / Vortrag

17.00 Uhr
- Iannis Xenakis / Aufführung
-
Georges Nicolas Wolff / Vortrag

20.00 Uhr
- Michael Barthel / Live
- CoCo / Live
- Mattin/Hegarty / Live
- Hure / Live
- Sisto Rossi / Live

Sonntag, 26.06.
Spedition, Beim Handelsmuseum, 28195 Bremen

18.30 Uhr
- Hans-Joachim Lenger / Vortrag

20.00 Uhr
- Scheich in China / Live
- Anna Schimkat / Live
- Crank Sturgeon / Live
- Sun Worship / Live
- Difficult Music For Difficult People / DJ-Set

Die Reihenfolge innerhalb der Blöcke kann sich ändern.

Eintrittspreise
Freitag: 10.-/6.-
Samstag Tageskarte = Vorträge und Konzerte: 15.- /9.-
Samstag nur Vorträge:  6.- /4.-
Samstag nur Konzerte: 10.-/6.-
Sonntag: 10.- / 6.-
Festivalkarte 30.-/18.-
Tickets

Eine Veranstaltung von REM – Rapid Ear Movement der projektgruppe neue musik Bremen e.V., Kunst- und Kulturverein Spedition e.V. und Galerie K' in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Schwankhalle.

Mit freundlicher Unterstützung durch den Deutschen Musikrat, den Senator für Kultur Bremen, die Waldemar Koch Stiftung und die Wirtschaftsförderung Bremen.

www.noisexistance.com

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Michael Barthel (D) - Die Arbeiten des Leipziger Künstlers kreisen um die Frage eines eigenen Ausdrucks innerhalb codierter Sprachübereinkunft, einhergehend mit dem Thema der Verortung: Schutz, Zuflucht, Heimat - die Möglichkeiten die diesen Begriffen eingeschrieben sein wollen. In seinen Leseperformances ist es die eigene Stimme, die diese Möglichkeiten umkreist, berührt und stockt, Deckung sucht und sich sich selbst überlässt - mit sich, ein Chor.

CoCo (D) - Die Berliner Klangkünstlerin und Sängerin verwendet Diktiergeräte, verschiedenste Objekte und Instrumente und nicht zuletzt ihre Stimme, um Orte und Situationen zu dokumentieren. Die Eindrücke werden zu undefinierbaren und zerstückelten Klanggebilden mutiert, die ihre ganz eigene Rhythmik entwickeln und dabei gleichzeitig Cut-Up-Collage und obskurer Chanson sind.

Decoder (BRD 1983, Regie: Muscha - Buch: Klaus Maeck, Trini Trimpop, Muscha u.a.) - Der Musiker FM (FM Einheit) entdeckt, dass sich die konsumanregenden Muzak-Klänge eines Fast-Food Restaurants im Tonstudio so manipulieren lassen, dass sie die Menschen zu Aufständen anstacheln. Mit Hilfe einer Gruppe von Dissidenten versucht FM eine Revolution auszulösen, muss aber feststellen, dass er bereits von einem Regierungsagenten (Bill Rice) gejagt wird. Der Film, der lose auf einem Text von William S. Burroughs basiert, ist einer der wenigen abendfüllenden Spielfilme, die aus der frühen Industrial-Wave-Bewegung hervorgegangen sind.

Difficult Music For Difficult People (D) - unter diesem Namen spielt der Hamburger Markus Izzo seit Jahren DJ-Sets, die ein eigenes und eigenwilliges Territorium zwischen Noise und Rave besetzen. Dazu gibt es eine wöchentliche Radiosendung aus dem selbstverwalteten Freien Sender Kombinat, in der Konzerte stattfinden und DJs zu Gast sind.

Paul Hegarty (IRL) - lehrt Philosophie an der Universität von Cork. Veröffentlichte 2007 mit "Noise/Music – A History" eine der ersten dezidierten Noise-Theorien. Sein Vortrag "Noise Hunger, Noise Consumption: the question of ‘how much is enough’" wird sich mit Vereinnahmung und Ausschließung von Noise in der experimentellen Musik auseinandersetzen. (Vortrag in englischer Sprache)

Hure (D) - Das Berliner Duo spielt monochromen Noise-Rock. Vom Rock sind nur Fragmente geblieben, die ein aggressiver Autist eigenwillig zusammengesetzt hat, wobei Lautstärke und Intensität als Bindemittel verwendet wurden.

Hans-Joachim Lenger (D) - ist Professor für Philosophie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Forscht u.a. zu Begriffen des Politischen, die einem kommenden Aufstand gewachsen wären. Der Vortrag "Animalischer Lärm" behandelt das Verhältnis von Lärm und Sprache als Paradigma des Politischen von der Antike bis heute.

Klaus Maeck (D) - Mit Rip Off eröffnete Klaus Maeck 1977 den ersten Hamburger Punk-Plattenladen. In den 80er Jahren war er Mitbegründer des Musikverlags Freibank. In dieser Zeit begann er auch Filme zu produzieren, neben Decoder u.a. über William S. Burroughs und die Einstürzenden Neubauten. Zuletzt trat vor allem als Ko-Produzent der Filme Fatih Akins auf.

Mattin (ES, D) - Mitherausgeber des 2009 veröffentlichten Readers "Noise and Capitalism". Als Performer in Kontexten der Noise- und Improvisationsszene aktiv. Weltweite Vorträge zu Noise und politischer Praxis, im Rahmen dieses Kongresses zu "Social Dissonance". (Vortrag in englischer Sprache)

Mattin/Hegarty - Will to Noise. Power Duo Phenomenon. Intensity tbc.

Helge Meyer (D) - Mit einer starken Neigung zur Textur des Klangmaterials bewegt sich der Hamburger Musiker musikalisch in der Nähe verschiedener Stilrichtungen wie Drone, Noise, Ambient, Akusmatik oder Improvised Music. In seinen Konzerten spürt er mit Hilfe instabiler Hardware-Cluster nach Harmonien, Schwebungen und eruptiver Dissonanz. Monumentale Flächen stehen einer Rhythmik gegenüber, die nie ganz mechanisch oder organisch werden will.

Sisto Rossi (D) - spielt Harsh Noise, Drone und Power Electronics unter den Pseudonymen Wallkeeper, Forecast, Hatred, Colony Collapse, Earth Chaos, Houses in Texas, Foxhole - um nur einige zu nennen. Nach eigenen Angaben hat er in den letzten Jahren mehrfach seine Homebase verschoben, vom Ruhrpott in den Pazifischen Nordwesten, nach Florida und zurück in den Ruhrpott.

Scheich in China (D) - Eine Technoparty, die langsam im Schlick der Elbe versinkt. Das Projekt aus Hamburg verbindet düstere Ambient-Soundscapes mit minimalistischem Industrial und reduzierten Beats.

Anna Schimkat (D) - Die Leipziger Künstlerin hinterfragt den vorgefundenen Raum und entwickelt darin neue klangliche Wahrnehmungen. Der gefundene Ton von Dingen und Umgebung ist dabei Inspiration und Grundlage. Aus diesem Material wird der spezifische Klang, die spezifische Form herausgefiltert. Die eigene akustische Erfahrung dient Schimkat dabei als Resonanzkörper für eine offene Erkenntnisproduktion.

Crank Sturgeon (US) - Hinter Crank Sturgeon verbirgt sich der US-Amerikaner Matt Anderson. Als "komischer Konzeptkünstler", so seine Selbstbeschreibung, verwischt er seit den frühen 90er-Jahren in elektroakustischen Collagen die 'Unsinnssperre' zwischen Ausführendem und Publikum – Gegenstände, Stimme und Stunts sind Zutaten von 'Happenings', die sich jeder Kategorisierung entziehen.

Sun Worship (D) - Das Berliner Trio aus zwei Gitarristen und einem Schlagzeuger dehnt die Grenzen des eigenen musikalischer Genres. Seine Spielart des Black Metal ist ein Amalgam aus traditionellen skandinavischen und neueren nordamerikanischen Stilen, wobei der Fokus auf die artifiziellen und lärmenden Anteile gelegt wird. Dies geschieht in episch langen Stücken, energievoll und hypnotisch.

David Wallraf (D) - promoviert an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zu Noise. Einführungsvortrag "Grenzen des Hörens, Grenzen des Vernehmens - Noise und das Problem der Übersetzung" und Moderation.

Georges Nicolas Wolff (D) - studierte Philosophie und Musikwissenschaft in Köln und Hamburg. Nach langjähriger Mitarbeit bei Karlheinz Stockhausen war er Dozent für musiktheoretische Fächer in Bremen, Hamburg und Nürnberg. Er lebt heute in Hamburg als Dozent für historisch-informierte Musikpädagogik und arbeitet zurzeit an einem Forschungsprojekt über J. S. Bachs Didaktik der polyphonen Improvisation. In seinem Vortrag "Blick zurück von der Empore" beschäftigt er sich mit Iannis Xenakis‘ Stück "Légende d'Eer".

Iannis Xenakis (GR) - In fast allen seiner Kompositionen kamen nichtmusikalische Ideen zum Einsatz. Xenakis griff dabei auf mathematische, architektonische oder philosophische Ideen zurück. "La Légende d'Eer (Diatope)", das 1977 entstand und sich auf einen Mythos Platons bezieht,nutzt neben computergenerierten Sounds sowohl aufgenommene instrumentale Klänge, als auch Field Recordings. Es entstand ein Stück psychoakustischer Musik, das mit seinen harschen Drones, mikrotonalen Clustern, der Einbeziehung von vorgefundenen Klanglandschaften und Sphären aus artifiziellem Rauschen viel von der zeitgenössischen experimentellen Musik vorweg genommen hat. Klangregie: Christoph Ogiermann.