im Interim

11.06.2022 –
10.09.2022

Saskia Senge & Maria Visser

Eröffnung | 11. Juni | 19 Uhr

Das alles sind Slices of Life: ein Basecap auf dem Amazon steht, ein Feuerzeug, ein Mega-Pilz aus Mario-Land, ein Energydrink in der Dose. Mag sein, dass es sich um ein entfremdetes, verformtes, vielleicht sogar falsches Leben handelt. Allerdings gibt es kein anderes in einer entfremdeten, verformten, vielleicht sogar falschen Welt. Diese Dinge sind trist, aber auch einziger Trost. Aufgesammelt und aufgereiht als Relikte eines falschen aber doch einzigen Alltags, sind sie wie ein Eintrag im Tagebuch. Um Relikte zu sein sind sie noch zu sehr Teil dieser Wirkllichkeit, sind sie zu gegenwärtig. Sie lassen sich noch nicht von dieser gegenwärtigen Welt lösen. Sie sind mit ihr identisch. Wenn sie sich etwas abzulösen beginnen, leicht Vergangenheit geworden sind, lassen sie sich besser betrachten.

What has the future in store for me, das fragt die Mode selbst, in Silberdraht als Haarschmuck. Die Mode stirbt oft, sie stirbt nahezu täglich. Das Lager dieser Zukunft muss voll sein mit lauter Leichen. Wenn man sie da raus holt, erstrahlt das Alte als etwas Neues. Auf diese Weise löst es sich von der gegenwärtigen Welt und lässt sich betrachten. Nicht ganz identisch mit ihrer Gegenwart erwächst ein Handlungsraum. Im Handgemenge der Geschichte löst sich eine Gegenwart auf und eine andere, vielleicht ganz andere, tritt an ihre Stelle. Die Protagonisten der französischen Revolution trugen Gewänder der Antike. Möglicherweise taten sie dies auch, weil die Ideen der alten Polis, Wahrheitsglaube und demokratisches Gemeinwesen, noch nicht verwirklicht waren. Im Leichenlager der Zukunft liegt neben gelebtem auch ungelebtes Leben.